Er ist vor knapp 100 Jahren gestorben, aber seine Worte werden noch heute von vielen verehrt und gerne gehört und gelesen: Rainer Maria Rilke scheint als Dichter unheimlich gut in unsere Zeit zu passen, und vielleicht ist das ja auch gar nicht so verwunderlich. Schließlich gibt es in politischer Hinsicht und vielleicht auch im Hinblick auf das Lebensgefühl gewisse Parallelen zwischen den damaligen und den heutigen Zwanzigern. Gruselig, oder? Ja, genau. Und da trifft es sich dann tatsächlich gut, Rilke zu lesen, finden wir, ohne ihn wirklich gut zu kennen. In diesem Talk stürzen wir uns in seine Worte und sind ziemlich erstaunt über das, was wir dort alles entdecken: Verwirrung, tiefe Sehnsucht und Verzweiflung, aber auch Hoffnung auf bessere Tage. Wir lesen: ‚Östliches Taglied‘, ‚Der Ölbaumgarten‘, ‚Der König von Münster‘ und ‚Was mich bewegt‘.
Schreibe einen KommentarArchiv: Episoden
Es gibt Menschen, die behaupten, eine Predigt sei ein Kunstwerk. Andere Menschen können das aufgrund ihrer Erfahrungen mit Predigten nur sehr schwer glauben. Eine, die es wissen muss, ist die Theologin Birgit Mattausch. Sie ist Referentin für experimentelle Homiletik am Literaturhaus St. Jakobi, was nichts anderes bedeutet, als dass sie sich sehr gut mit dem Thema auskennt und sich über experimentelle Formen des Predigens Gedanken macht. Wir haben sie gefragt, warum Predigten oft so gleich klingen und welche Tipps sie für Prediger*innen hat. Außerdem erzählt sie uns, warum sie mal eine Woche in einer Kapelle im Bett verbracht hat, was Lurche und Katzen mit Predigten und Game of Thrones zu tun haben und warum sie manche Live-Sessions auf Insta für spirituelle Erlebnisse hält. (Bildrechte auf das Porträt von Birgit Mattausch: Literaturhaus St.Jakobi Hildesheim)
Birgit findet Ihr auch hier im Netz:
https://frauauge.blogspot.com/
https://www.evangelisch.de/personen/birgit-mattausch
An Zack Snyders Film ‚300‘ (von 2007) scheiden sich die Geister. Die meisten (männlichen) Fans mögen ihn als Schlachtenspektakel in beeindruckender, wenn auch ziemlich künstlicher Optik. Andere, wie zum Beispiel wir, verachten ihn. Jay ist von dem schwülstigen Erzählton und der inhaltlichen Banalität genervt. Gofis Kritik ist vor allem politisch: Ganz bewusst setzt der Film Bilder und Motive ein, die auch aus dem Faschismus bekannt sind. Wir analysieren den Film genauer, wobei wir nicht umhinkönnen, hin und wieder ausfällig zu werden. Wir widmen uns ‚300‘, weil wir damit einerseits ein Versprechen einlösen, das wir vor der Sommerpause gegeben haben. Andererseits ist der Film, so schlecht er auch ist, tatsächlich relevant, weil er einem neorechten Publikum ein passendes Narrativ für ihre politische Agitation liefert. Aber hört selbst.
Schreibe einen KommentarDie diesjährige Documenta hat für viel Wirbel gesorgt: Antisemitische Bilder sind aufgetaucht, Vorwürfe an einige Künstler*innen wurden laut, dass sie sich an der Boykottbewegung gegen Israel beteiligt hätten und dabei auch vor antisemitischen Äußerungen nicht zurückgeschreckt seien. Es ist sogar gefordert worden, die gesamte Ausstellung abzubrechen, zuletzt von Sascha Lobo im SPIEGEL. Wir reden über die Debatte, aber nicht nur über sie. Denn wir sind bei unserem Besuch zu dem Schluss gekommen, dass die Documenta sehr viel mehr zu bieten hat, als harte politische Auseinandersetzungen. Die dort gezeigte Kunst ist engagiert, sehr konkret und erstaunlich spirituell. Vor allem formulieren die Künstler*innen des globalen Südens eine sehr wichtige Botschaft an das europäische Publikum, von der wir hoffen, dass sie wahrgenommen wird. Aber hört selbst.
Schreibe einen KommentarUnglaublich: Cobains Erben haben schon ihre zweite Staffel im Kasten! Mit dieser 38. Folge verabschieden wir uns von euch in die Sommerpause, indem wir zurückblicken. Welche Gespräche haben uns besonders gut gefallen? An welche Begegnungen denken wir gerne zurück? Wohin hat sich Cobains Erben mittlerweile entwickelt? Und wie wird es wohl in Zukunft weitergehen? Wir sind beide gezeichnet: Ziemlich müde, sogar coronakrank, aber immer noch witzig. Lauscht unserem Plausch, während wir die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Viel Spaß und: eine erholsame und behütete Sommerpause euch allen! Wir hören uns im September wieder.
Schreibe einen KommentarLilli Gebhard hat sich auf die Suche nach ihrer Identität gemacht. Sie selbst ist Russlanddeutsche und hat sich als Literaturwissenschaftlerin mit dem Erbe ihrer Community beschäftigt: Was ist sagbar? Was ist denkbar? Wer sind wir, die wir aus der einen Kultur vertrieben und in der neuen nie wirklich heimisch wurden? Und was bleibt, wenn man Schicht um Schicht freilegt, wenn man der eigenen Trauer, dem Verlust, dem Schmerz ins Gesicht blickt? Die wissenschaftliche Arbeit hat Lilli zur Lyrik geführt. Und von dort ist sie weiter zur Malerei gegangen. Über den Weg der Kunst versucht sie, an die Schichten zu gelangen, die dem rein rationalen Zugang verborgen bleiben. Wir reden mit ihr über ihre Gedichte und Bilder und wie sie zu ihnen gefunden hat. Und wir feiern eine Premiere! Denn zum ersten Mal geht zeitgleich zum Erscheinen der Folge auch eine virtuelle Ausstellung online. In der Galerie ATTÓKK, die ihr auf unserer Webseite findet, stellen wir zehn von Lillis Bildern aus, die ihr in aller Ruhe betrachten könnt, während ihr dem Gespräch lauscht. Deep shit, sehr verehrte Zeitgenoss*innen. Wir wünschen gute Unterhaltung!
Schreibe einen KommentarDer Name Franz Kafka dürfte vielen Leuten bekannt sein. Aber gilt das auch für seine Geschichten? Womöglich nicht. Und das ist jammerschade. Denn der Mann aus Prag war ein unfassbar guter Erzähler. Wir probieren es aus: In diesem Talk lesen wir euch drei seiner sehr kurzen Erzählungen vor – Der Geier, Der Steuermann und Der Kreisel. Anschließend interpretieren wir sie. Und bei allen dreien sind wir überrascht und begeistert, wieviel Inhalt man in so wenige Worte stecken kann und wieviel Wirkung diese kurzen Texte entfalten. Aber hört selbst!
Schreibe einen KommentarWir haben uns mit der transmedialen Künstlerin Sarita Dey in ihrem Frankfurter Atelier zum Essen und Weintrinken getroffen. Sehr passend, könnte man sagen, denn tatsächlich bezieht Sarita gerade auch Essen und Kulinarik immer wieder in ihre Arbeit mit ein. Wir wollten von ihr wissen, warum sie das tut, welche Erfahrungen sie damit macht, was bei ihren Live-Paintings passiert, ob es ihr schwer fällt, sich schwach zu zeigen, worauf es ihr in ihrer Kunst ankommt. Dabei kamen wir auf ihre aufregende Biografie zu sprechen, ihr Verständnis von Kunst und über das, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: nämlich Menschen miteinander zu verbinden. Wir reden aber auch über einen rassistischen Angriff, den sie vor genau einem Jahr erleben musste und darüber, wie sie auf ihn künstlerisch reagiert hat. Lauscht uns bei diesem sehr intensiven Tischgespräch. Gute Unterhaltung!
Saritas Instagram-Account heißt @zuzusarita
Schreibe einen KommentarThomas Venker ist ein altgedienter Medienprofi: Sein erstes Fanzine brachte er schon heraus, als er noch im elterlichen Zuhause wohnte. Viele Jahre und etliche Projekte später war er gemeinsam mit Linus Volkmann Chefredakteur des Musikmagazins ‚Intro‘, bevor sie beide ihre Posten dort niederlegten und seit 2014 das Webmag ‚Kaput – Magazin für Insolvenz & Pop‘ publizieren. Unterstützt von einem Team illustrer Autor*innen und Fotograf*innen scannen sie und berichten sie über die Pop- und Kulturwelt. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten, wie es der Kunst- und Kulturszene heute geht, warum er ‚Kaput‘ wie einen Befreiungsschlag empfunden hat, was er jungen Medien- und Kunstschaffenden raten würde und ob er es nach einem Allnighter in New York wirklich noch ohne Rollator in den Flieger schafft. Sehr verehrte Zuhörende: Meet Thomas Venker. Viel Spaß!
Schreibe einen KommentarEs ist nicht immer leicht zu erkennen, wo der Übergang liegt zwischen ’schön‘ und ‚kitschig‘. Hat das etwas mit der Aussage eines Kunstwerkes zu tun? Darf sich Kunst ein bisschen heile Welt leisten? Ab wann wird das unglaubwürdig, vielleicht sogar peinlich? Wir sind von Julia auf dieses Thema gestoßen worden. Sie hat uns eine Email geschrieben, in der sie fragt:“Wie geht Kunst, die dafür ist, anstatt dagegen? Wie kann eine Künstler*in sich einsetzen für Hoffnung, für Liebe und meinetwegen auch für Glaube und dabei trotzdem nicht in die Weichspüler- bzw. Friede-Freude-Eierkuchen-Ecke abgedrängt werden?“ Gute Frage, finden wir und haben uns an die Arbeit gemacht. Aber hört selbst.
Schreibe einen Kommentar