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Kann Schönheit die Welt retten?

Im Internet wird der Satz ‚Schönheit wird die Welt retten‘ unglaublich häufig zitiert. Anscheinend hoffen viele Menschen, dass er wahr ist. Aber ist er das? Wo kommt der Satz eigentlich her? Und was ist überhaupt ‚schön‘? Wir reden über Instagram, Kitsch und was das Schöne mit dem Schrecklichen zu tun hat. Ein scharfer Ritt von Weihnachten nach Russland, durch die Religion zum Weltuntergang und zurück. Aber hört selbst!

Jeff Koons’ Pudel sieht übrigens so aus.


Dies ist Josef Früchtls Vortrag, den wir öfter zitieren:

Rilkes erste Duineser Elegie beginnt so:

Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.

Leonardo Boffs Kommentar zu Dostojewskis ‘Der Idiot’ findest du hier.

14 Kommentare

  1. Sören Schlinke Sören Schlinke

    Hey Gofi, hey Jay!
    Alter Schwede, bei Eurem Gespräch über Dostojewski, bzw. den Fürsten und als ich dann das Gemälde von dem ‘toten Christus ansah im Internet’ hats mich erwischt, das geht tief.
    Gestern Nacht las ich in dem Buch von Richard Rohr ‘Nur wer absteigt? kommt auch an’:,,Die Jesusverehrung steht im Mittelpunkt unserer Gottesdienste und doch übersehen wir ständig die zentrale Botschaft, dass wir nämlich dem Kreuzweg nachfolgen sollen, dass der wahre Abstieg ist….Die meisten Religionen sind unfähig das Dunkle in sich selbst zu sehen….Weil sie ausgrenzt, kann die Botschaft vom Aufstieg niemals frohe Botschaft sein. Die Botschaft vom Abstieg schließt ein.” Soweit Richard Rohr. Ich erlebe zur Zeit oft diese Ohnmacht im körperlichen/seelischen Bereich, diesen Abstieg in die Regionen, wo Intellekt und Menschen nicht mehr hingelangen. Und gerade in dieser absoluten Ohnmacht, diesem Schwebezustand zwischen Himmel und Erde, kommt manchmal diese Schönheit zum Ausdruck, die nicht mit Worten zu Beschreiben ist!
    Sorry, wenn ich abgedriftet bin! Bin Euch krass dankbar für diese Impulse!
    Vielen Dank an Euch!!! Liedempfehlung: Haben oder Sein vonnJens Böttcher!
    Greetings! Sören

    • Danke Sören für diesen tollen Kommentar!

  2. Kriti-Sir Kriti-Sir

    Was ein Spitzentalk, Jungs.
    Wollt ihr nicht mittelfristig, Hossatalk monatlich bringen und die Sache hier fokussieren?
    Irgendwie wirkt ihr bei Cobain gelöster und noch mehr Freischnauze als gewöhnt. Gefällt mir gut.

    Das Problem mit dem Copyright hat sich ja auch geklärt. Jay macht einfach Gesangslagen 🙂

    Zur Sache. Schönheit wird die Welt retten.
    Ihr habt ganz vergessen, darüber zu reden, dass der Satz im Futur geschrieben ist.
    Oder ich habe es überhört.
    Die Sentenz ist also mehr Prophezeiung, Verheißung oder einfach ins Blaue getippt a lá „Was soll uns sonst retten außer die Schönheit?“. Die Rationalisierung und Mechanisierung hat uns nicht gerettet und auch das Geld nicht.
    Ergo: Schönheit als Impetus unseres Handelns. Wir handeln natürlich, um zu überleben. Wir handeln auch, um voranzukommen. Aber alles Handeln bleibt doch fad und auch ein Stückchen langweilig, wenn es nicht der Schönheit der Welt dient.
    Ergänzend dazu weise ich darauf hin, dass jegliche Tätigkeit des Menschen eine Kunst darstellen kann. Ein Meister lässt eine schwierige Sache bekanntlich immer ganz leicht aussehen. Und das ist doch schön, oder?
    Kunst lässt uns spielen, aber sie fordert uns auch einiges ab.
    Ein durch und durch biblischer Gedanke, den Paulus auch in seinen Briefen immer wieder aufgreift, wenn er schreibt „das Gute“ zu behalten.
    Die Frucht im Garten Eden war bekanntlich auch eine „Lust für die Augen“.
    Die Bibel sieht das Thema „Schönheit“ also sicher sehr differenziert. Gerade das Hohe Lied der Liebe kann als Ode an die sexuell stimulierende Schönheit des menschlichen Körpers gelesen werden.
    Vllt. Führe ich mal eine Wortstudie über das Schöne in der Bibel durch. Wäre sicherlich erhellend.

    Was Jay als alter Filmfreak leider aus Zeitgründen vergessen hat, ist das Endzitat aus King Kong: „Beauty killed the Beast.“
    Das Schöne kann uns also auch vernichten, was ja im Rilkezitat wiederum anklang.

    Videotipp zum Engelzitat (8 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=40KcrrfbJ6o

    Ansonsten freue ich mich auf Thorsten Dietz und das Gespräch über Fight Club, den ich dann wohl doch nochmal werde schauen müssen, um euch ganz genau aufs Maul schauen zu können.

    • Wow, vielen Dank für deine Ergänzungen!

    • Jay Jay

      Hey, Kriti-Sir,
      der Satz ist im Futur geschrieben… Dazu haben wir wirklich nix gesagt. Und jetzt, wo du das anmerkst, muss ich sagen, holla, wie konnte uns das durch die Lappen gehen? Zumal der in den SN verlinkte Vortrag, über den wir sprachen, genau diesen Gedanken aufgreift und sich ganz viele Gedanken über Schönheit und apokalyptische Hoffnung macht. Der Vortrag lohnt sich wirklich sehr.

      Das King Kong Zitat – ja, das wäre es gewesen (wobei ich zugeben muss, dass ich es nicht parat gehabt hätte 😉 ).

      Danke, für die schöne Rückmeldung.

      LG,
      der Jay

      • Kriti-Sir Kriti-Sir

        Ich hab mir den Vortrag angehört.
        War mir persönlich zu professoral; bin vermutlich einfach durch HossaTalk & Co. verwöhnt, was das Niveau angeht.
        Scherz beiseite – fande leider einfach keinen Zugang zu dem “Geschwurbel”.

        Wobei das Zitat aus King Kong ja auch doppeldeutig zu verstehen sein kann.
        Auf der einen Seite stirbt der arme Affe ja.
        Auf der anderen Seite muss ja – auch aus biblischer Sicht – das Biest in uns sterben, in dem es auf die schreckliche Schönheit des Kreuzestod schaut, hinter der eine “apokalyptische Hoffnung” wartet.
        Sicherlich nicht intendiert, aber in der Sache doch interessant.

  3. Kriti-Sir Kriti-Sir

    Keine Ursache.
    Eure Talks wirken meisten wie ein gedankliches Trampulin für mich.
    Falls ich das mit der Wortstudie hinbekomme, schicke ich sie mal per Mail durch.

    Und puh – nachdem Talk gleich noch 90 Minuten über FC nachgelegt. R E S P E K T.

  4. Helen Helen

    Vielen Dank für euren Podcast! Ich habe zuvor nie wirklich tiefgängig über Kunst nachgedacht und merke jetzt wie interessant das eigentlich ist! Naja, besser spät als nie.
    Diese Folge hat mich echt angesprochen und ich finde es super spannend über diese scheinbar selbstverständlichen Dinge wie Schönheit, Kunst und Welt nachzudenken.
    Ich musste während eurem Gespräch immer wieder an diese Fotos denken, auf denen man Kinder mitten in einem Kriegsgebiet spielen sieht. Oder auch einen Soldat der auf einer Gitarre spielt. Und da denke ich, klar rettet Schönheit die Welt. Denn gäbe es das Schöne nicht, bleibt doch nur das Schlechte und Unschöne übrig. Fragt man sich ganz grundlegend, was denn schön ist, denke ich an lachende Kinder, Blumen, gutes Essen, Umarmungen,… Ohne all das wäre die Welt doch am Ende. Zwar schließt all das Schöne das Schlechte nicht aus, aber Rettung heißt doch etwas nicht aufzugeben. Wie wenn ein Mensch vor dem Ertrinken gerettet wird.
    Und in Bezug auf die Kunst heißt das für mich, dass all das Schöne in der Kunst zu dieser Rettung beiträgt. Lese ich ein gutes Buch, höre mein Lieblingslied oder betätige mich selbst künstlerisch, erlebe ich etwas Schönes, das mich in gewisser Weiße von dem Negative auf der Welt (zumindest für einen Moment) erlöst.

    Danke für eure Anregungen und Liebe Grüße!

    • Danke Helen. Du bringst meine Motivation, als Künstler zu leben, sehr schön auf den Punkt.

  5. Katharina Katharina

    Die “kitschigen” Fotografien, die Jay am Anfang meint stammen vermutlich von David LaChapelle…

    • Jay Jay

      Nope. Habe noch mal nachgeschaut, es waren Werke von Piere et Gilles.
      🙂

      LG,
      der Jay

    • Genial! Das muss ich genauer wissen. Danke!

  6. Ana Ana

    Seit ich als frische Kunststudentin mich intensiv mit Schönheit und dem Ringen danach befasse, drängt sich in mir immer mehr der Vergleich mit Gott auf. Da begegnet mir eine ähnlichen Fragestellung und gleiche Feststellung der Unfassbarkeit. (da könnte ich noch länger weitermachen) Da passt auch das Zitat von R.M. Rilke so treffend!
    Danke für die tolle Folge und die vielen interessanten Gedankenanstößen!

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