Galerie Kollaborativ, Berlin: Lea Kunz – La peau des amis

Text by Danaé Panchaud,
Director of the Centre de la Photographie Genève

DE

Die Arbeit von Lea Kunz basiert auf Begegnungen, oft mit ihr nahestehenden Menschen, manchmal mit beinahe Fremden, die sie einlädt, fotografiert zu werden. In halb verlassenen Innenräumen oder in den Tannenwäldern, die ihr Haus im Jura umgeben, fängt sie kollektive und individuelle Choreografien ein, die improvisiert und ungezügelt sind. Die nackten Körper und die Gesten der Protagonisten sind nie explizit, man liest sie weder als verführerisch noch als sexuell, weder als Kampf noch als Ritual. Anmut ist hier versehentlich, Verwirrung und Ungeschicklichkeit sind befreiend; auf Zärtlichkeit antwortet liebevolle Brutalität.

In einer Zeit, in der Schönheitsstandards und den unaufhörlichen Optimierungen des Körpers immer entschiedener begegnet wird, ebenso wie der systematischen Sexualisierung von Nacktheit, bleibt der Körper zentral für die Geschlechtsidentität und die sexuelle Orientierung von Individuen. In diesem Zusammenhang bietet Lea Kunz’ Arbeit, die sich nicht einordnen lässt, emanzipatorische Darstellungen des nackten Körpers. Seit 2015 komponiert sie einen wachsenden Korpus an Bildern, die nicht in traditionellen Serien funktionieren und sich weigern, eine einzige, präzise und definierte Richtung einzuschlagen. Im Mittelpunkt der Ausstellung in der Galerie & Edition Stephan Witschi, die aus diesem riesigen Archiv schöpft, steht eine Intimität, die mehr mit Freundschaft als mit Sexualität zu tun hat und in der sich Momente der Zuneigung, Spannung, Auseinandersetzung oder Verspieltheit abwechseln, die keinem äußeren Zwang gehorchen.

Lea Kunz (*1991, CH) ist eine Schweizer Fotografin, die im Jura lebt und arbeitet. Ihre Arbeit wurde in der Schweiz, in Frankreich und in Deutschland gezeigt. Die Ausstellung La peau des amis in der Galerie & Edition Stephan Witschi ist ihre erste Soloausstellung in Zürich.

Die Galerie Kollaborativ ist Ausstellungsraum und Plattform für Kunst- und Kulturprojekte.
2006 von Iris Kent und Christian Nowatzky gegründet, finden seither Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen statt. 2012 war die Galerie ein externer Veranstaltungssort der Pictoplasma. Die Ausstellungen der Galerie haben außerdem berlin- und deutschlandweite Medienresonanz gefunden.
Die Galerie Kollaborativ wird ermöglicht durch das Berlinprojekt, eine evangelische Kirchengemeinde in Berlin Mitte und Kreuzberg. Das Berlinprojekt erhielt 2014 den Ehrenamtspreis des Bezirks Berlin Pankow für ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete in der Aufnahmeeinrichtung Straßburger Straße, gegenüber der Galerie.

Galerie Kollaborativ
Saarbrücker Str. 25
10405 Berlin

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