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Autor: Gofi

Gofi Müller, Jahrgang 1970, ist Podcaster und Künstler und lebt mit seiner Familie in Marburg an der Lahn.

Documenta 15 – Ein Resümee von Gofi

Ich habe es ja schon im aktuellen Talk bei Cobains Erben öfters gesagt, dass die Documenta mich ziemlich nachhaltig beeindruckt hat. Es ist dieser Gedanke, nicht etwa als einsames Genie vor sich hinzuarbeiten, um dann irgendwann aus der Versenkung aufzutauchen und der Welt das neue Werk zu präsentieren, sondern gemeinsam mit anderen als Kollektiv Kunst zu machen und das als Teil der Gesellschaft und dadurch eben auch als Teil der Gemeinschaft, mit ihr verbunden, nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch, wirtschaftlich, sozial. Das fordert mich heraus und zwar mehr, als ich zugeben möchte. Denn ich bin gerne und arbeite auch…

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Erfolgreich in der Kunst, im Leben gescheitert

Wenn Du drüber nachdenkst, fallen Dir sicher viele Künstler*innen ein, die beruflich erfolgreich waren, aber menschlich scheiterten: zu jung gestorben, Suchtprobleme, psychische Erkrankungen, Depressionen usw. Namen wie van Gogh, Jean-Michel Basquiat, Jimi Hendrix, Kurt Cobain oder Amy Whinehouse drängen sich auf. Aber sind diese geplagten Ausnahmetalente wirklich die Regel? Ist das unvermeidlich, dass große Begabungen mit großen Problemen einhergehen? Oder ist das ein Klischee, das sich leider immer wieder bestätigt? Jay und Gofi haben sich in ihrem Podcast ‚Cobains Erben‘ darüber unterhalten. Dies ist das Transkript ihres Gesprächs. Sind Künstler schwierige Menschen? Jay: Hallihallo, ihr Lieben Erb*innen. Schön, dass ihr…

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Der gelangweilte Body Guard

Eine Gruppe Jugendlicher hat sich vor einer Grotte versammelt. Sie wirken mäßig begeistert. Alle tragen sie blaue T-Shirts, die meisten weiße Sonnenhüte, was zeigt, dass sie sich nicht zufällig getroffen haben, sondern gemeinsam unterwegs sind. Ein Junge steht und liest etwas vor. Andere stehen nicht weit von ihm entfernt, lauschend, abwartend, als seien sie die nächsten, die etwas vorzutragen haben. Andere Jugendliche sitzen auf der Erde. Sie wirken so, als hörten sie zu. Vielleicht hängen sie aber auch ihren Gedanken nach. Zumindest scheinen sie den Vortragenden nicht zu unterbrechen.  Nicht weit von ihnen entfernt sitzt ein Mann. Er ist nicht…

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Gespräch unter den Pferden des Achilles (aus der Reihe ‚Männer, die sitzen‘)

PEDASOS: den stier bei den hörnern zu packen, ist das eine. mit dem klar zu kommen, was anschließend passiert, ist eine völlig andere sache.  BALIOS: das ist wahr. es gibt menschen, die deshalb glauben, dass es ratsamer sei, auf ihm zu sitzen, statt vor ihm zu stehen. denn es hat den vorteil, dass der stier den auf ihm sitzenden nicht aufspießen kann.  XANTHOS: es stellen sich dadurch jedoch neue herausforderungen.  PEDASOS: richtig. denn es ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass er nicht geritten werden möchte. in diesem falle wird er sich wehren und versuchen, den reiter abzuwerfen.  BALIOS: in…

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das lachen (Gedicht)

in einem dieser augenblickein denen du nicht sicher bistob das was du siehstwirklich passiertoder ob es nurdas produkt deiner einbildung istein albtraumder dich schon jahrelang heimsuchtder nun aber seinenschrecklichstenunausweichlichen höhepunkt erreicht hat in solch einem moment sitzt duin einen pappkarton gezwängtdicht am rande des dacheseines hohen gebäudesund spürstdass der sturm es endlich geschafft hatdas eine ende des kartons anzuhebenso dass er sich dem abgrund zuneigt und weißtdass es diesmal anders ist nicht so wie in den letzten nächtenals dein lachen dichaus dem schlaf rissnoch bevor du auf dem boden aufschlugstweil dir klar wardass es nur ein traum warder dich zwar…

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Der Krieg dort drüben

Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Der Gedanke beunruhigt mich wie warscheinlich die allermeisten Europäer. Kiew ist nicht weit weg. Das Gleichgewicht der politischen Mächte, das so sicher schien, gerät ins Wanken. Ist das noch ‚deren‘ Krieg, ein Krieg der anderen, die nicht wir sind? Oder ist das bereits unser Krieg, einer, den wir nicht gewollt haben, der aber zu jederzeit möglich war, auch wenn wir so getan haben, als sei er die Schwarzmalerei notorischer Pessimisten? Es ist nicht so, dass ich weiß, was Krieg tatsächlich bedeutet. Ich habe ihn immer nur mittelbar, niemals direkt erlebt. Das war zum Beispiel…

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Der Comic-Händler

Es gibt Leute, die glauben, dass Comics nur etwas für Kinder und Jugendliche sind. Das ist natürlich falsch.  In der Cobains-Erben-Folge „Comics: Eine unterschätzte Kunstform“  erklärt uns der Zeichner Jörg Peter, warum man Comics ernstnehmen sollte. Und in der Folge „Sind die Held*innen am Ende?  – Über Superheld*innen und ihren Absturz“  führen Jay und ich das Gespräch fort und zerlegen verschiedene Superhelden-Comics in ihre Einzelteile. Ich finde, das ist ganz schön erstaunlich, was wir dabei zutage fördern und wie energisch Comics das Leben, die Gesellschaft und unsere Zeit kommentieren. Ich frage mich, wie der Comic-Händler das alles sieht. Er muss…

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Kunst und die Rede von Gott – Warum religiöse Kunstwerke mehr sind als Illustration oder Deko

Ich ziehe seit Jahrzehnten nomadisch durch das Internet, errichte mir irgendwo eine virtuelle Heimat, hege und pflege sie, bis ich sie wieder verlasse und weiterziehe. Inzwischen gibt es hier und dort Web-Ruinen, die ich früher einmal bewohnt habe. Ihre Einrichtung ist stellenweise noch da, es mögen sich noch immer von Zeit zu Zeit einzelne Leser*innen finden, die sich kurz niederlassen, in einen Artikel hineinlesen und dann weiterziehen. Neulich habe ich eine dieser Ruinen wieder aufgesucht. Sie heißt marburger syndikat.   In ihr finden sich Rezensionen, Betrachtungen, Tagebücher und Aufsätze, die stellenweise über 10 Jahre alt sind. Das hat mich unangenehm berührt.…

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Der Fußballfan

Es gibt viele Gründe, sich zu setzen. Der häufigste ist der, dass man nicht stehen oder liegen möchte. Beim Stuhlgang zum Beispiel setzt oder hockt man sich in der Regel. Vermutlich kommt daher das Wort, auch wenn die Franzosen beispielsweise, vor allem die aus dem südlichen Teil des Landes, keinen Stuhl für den Stuhlgang benötigen. Gäste aus Deutschland bringt das schon einmal in Bedrängnis, denn diese Art des Stuhlgehens ohne Stuhl will gelernt sein. Ich meine natürlich den einen Stuhl, nicht den anderen. Du verstehst. Richter sitzen zu Gericht. Auch wenn es angerichtet ist, setzt man sich meistens, es sei…

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