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Erfolg in der Kunst – Was ist das?

Du hättest so gerne Erfolg: Am Anfang wünschst du dir, dass Leute gut finden, was du tust. Später möchtest du von deiner Kunst leben können. Noch später fragst du dich, warum immer andere gefeiert werden, in Magazinen besprochen werden, Preise gewinnen. Schließlich erhältst auch du eine Ehrung. Aber nicht die größte. Und so kann es endlos weitergehen.

Ab wann hat jemand Erfolg in der Kunst? Reicht die Anerkennung deiner Freunde? Oder müssen es viele Menschen sein? Oder sollte es auch Geld einbringen? Wie viel sollte es sein, um als ‚Erfolg‘ gelten zu können?

Wir haben uns diesen Fragen gestellt, weil unserer Hörerin Julia sie uns vorgeschlagen hat, aber auch deshalb, weil wir selbst davon betroffen sind. Denn auch wir wünschen uns natürlich, in dem, was wir künstlerisch veranstalten, erfolgreich zu sein. Dabei schauen wir unter anderem zurück auf unsere Versuche der letzten Jahre und überlegen, wann es uns gelungen ist, die Erfolge als solche zu akzeptieren und zu feiern.

Übrigens erwähnt Gofi desöfteren dieses Buch von Julian Spalding:

Du kannst es z. B. hier kaufen.

Noch ein Hinweis, der gut zum Thema passt: Wenn du möchtest, kannst du uns in unserer Arbeit unterstützen. Wie das geht, das erfährst du hier.

17 Kommentare

  1. Julia Julia

    Ich habe euren Talk wieder mal echt gefeiert! Sei es, dass Gofi nun in Zukunft auch in Ziegen bezahlt werden kann, oder dass Jay feststellt, dass Kunst schon Kriege gewonnen hat. Sowas macht eure Talks einfach einzigartig! Chapeau!

    Eure verschiedenen Ansichten zum Thema Erfolg fand ich sehr spannend und aufschlussreich, vielen Dank für eure Offenheit! Wie bei der Schilderung vom Werdegang des Albums “Ohne mich geht’s nicht”; in gewisser Hinsicht eine echte Erfolgsgeschichte, und von einem anderen Winkel her betrachtet eben nicht. Ähnlich lief es wahrscheinlich mit Johannes Falks Album “von Mücken und Elefanten”. Super Songs, Super Texte, die wirklich berühren und was auslösen, aber kein Erfolg von den Verkaufszahlen her. Sowas kann ich nicht verstehen! Und wieder, Erfolg ist etwas völlig Subjektives.

    Beim Hören des Talks ist mir aufgefallen, dass das Thema erfolgreiche Kunst in der Bibel ja eigentlich schon in der Geschichte vom Opfer von Kain und Abel angedeutet wird. Da bin ich wohl durch Gofis Ziegen drauf gekommen… Dass Gott Kains Opfer aus den Feldfrüchten nicht angenommen hat, dafür aber Abels geopfertes Tier, liegt ja wohl nicht daran, dass er was gegen Vegetarier hatte. Der Autor lässt es unkommentiert, der Leser erfährt nicht, was Gott an Kains Opfer nicht gefällt. Es ist einfach ein Flop. Wie es auch im richtigen Leben niemand wirklich erklären kann…

    Kunst als Gemeinschaftsgenuss finde ich schlüssig. Gerade weil sie unsere Herzen berühren kann, trägt sie dazu bei, dass wir uns anderen gegenüber öffnen und unsere Gefühle preisgeben. Wir lernen uns besser kennen und verstehen. Das bringt zwar dem Künstler im wirtschaftlichen Sinne nichts, aber den Betrachtern auf der zwischenmenschlichen Ebene sehr viel.

    Was ist wichtiger? Die Welt zu besitzen oder sie zu verändern?

    Vielen Dank für diesen Talk!

    • Die Welt besitzen oder verändern – das ist großartig, das rahme ich mir ein und hänge es an die Wand. Danke!

  2. Soll ich Fight-Club anschauen bevor ihr darüber Talkt oder besser hinterher?

    • Besser vorher. Wir müssen spoilern, das lässt sich nicht vermeiden.

  3. Kriti-Sir Kriti-Sir

    Erstmal: Hat Spaß gemacht, auch wenn ihr noch nicht bis in die tiefsten Tiefen vorgedrungen seid, aber gebt euch da einfach Zeit 🙂

    3 Gedanken und 1 Hinweis.

    1. Erfolg ist natürlich immer die Erfüllung dessen, was man sich individuell als Ziel gesetzt hat.
    Für mich stellt sich die Frage, ob Kunst immer den größtmöglichen Markt suchen muss.
    Wäre es nicht der größte Liebesbeweis, wenn man ein Buch schreibt, dass nur der eigene Partner lesen darf?
    Dann kann und will er gar nicht davon leben und ist vielleicht doch der größte Künstler, über den kein Kritiker je urteilen wird.
    Das Beispiel greift natürlich am besten mit dem Buch, da hier kaum Produktionskosten entstehen, bei einem Film oder einer Platte sähe das auch schon ganz anders aus.

    2. Ich mag Schlager, aber nicht aus dem Grund, dass sie mir tatsächlich gefallen.
    Aber als ich klein war und die ganze Familie beisammen war, hat irgendjemand immer den Schnaps rausgeholt und dann gab es ein paar Schlager dazu.
    Wenn ich mich in meinen sentimentalen Momente erwische, wie ich “Marmor, Stein und Eisen bricht,…” höre, schäme ich mich nicht, da die Nostalgie einfach schön ist.
    Insofern löst die Musik etwas bei mir aus, aber nicht wegen der Musik an sich, sondern den persönlichen Erinnerungen.

    2 1/2. und insofern auch zu “Kunst als Gemeinschaftserlebnis”. Wenn auf einem Dorffest alle sternhagelvoll “Allloooooooohaaa jeeeee” (Hab die ganze Welt gesehen….) singen bzw. grölen, dann spricht mich das vielleicht gar nicht ein, aber die, die singen, haben für einen Moment alle sorgen vergessen und fühlen sich durch Wein und Gesang verbunden.

    3. Beim Film gibt es ja im Gegensatz zur Musik und Literatur (Ausnahme: Ghostwriter) den Begriff “Auftragsarbeit”. D.h. der Regisseur setzt z.B. für Disney ein generisches Mammutprojekt um, da er aufgrund seiner Erfahrung dafür geeignet gesehen wird; aber er hat sich gefälligst kreativ möglichst zurückzuhalten. Dass das nicht immer aufgeht: siehe Ant-Man.
    Demgegenüber floppen viele “Herzensprojekte” der Regisseure oder landen neuerdings bei Netflix, wo es sehr schwer ist, den Erfolg in tatsächlichen Zuschauerzahlen zu messen.

    Hinweis: Es gibt ja massig Filme, die sich mit dem Dreieck aus Regisseur-Produzent-Kritiker beschäftigen.
    Birdman und erst kürzlich Malcolm und Marie fallen mir zuerst ein.
    Aber auf das Thema kommt ihr sicherlich auch bald zu sprechen.

    • Julia Julia

      Kriti-Sir, ich kann deinen Gedanken nur zustimmen. Gerade bei deinem Kommentar mit dem Schlager musste ich so lachen, denn das ist tatsächlich bei mir genauso… wobei, auch bei mir muss der Schnaps rausgeholt werden, scheinbar muss man sich den Schlager prinzipiell schöntrinken…
      Musik ist sowieso ein magisches Ding, sie ist direkt mit den Erinnerungen gekoppelt, für mich viel mehr als sonst etwas. Sie hat diese Gabe uns durch die Zeit reisen zu lassen, zurück in die Vergangenheit, zurück in wilde, traurige oder glückliche Zeiten, zurück zu den Menschen, die wir mal waren, zu den Freunden, die wir geliebt, angehimmelt oder gehasst haben… Deshalb müssen die guten Bands auch immer das alte Zeug spielen, weil unsere Herzen dorthin zurück wollen, in die guten alten Zeiten, selbst wenn sie gar nicht so gut waren.
      Erfolg in Zuschauerzahlen messen zu wollen, ist absurd, aber es wird uns immer eingetrichtert, dass wir genau das machen sollen. Das ist unsere heutige Welt, aber vielleicht war das auch schon immer so. Dass das Gras hinter dem Zaun scheinbar grüner ist, ist nichts Neues, dass die Verehrer scheinbar immer nur dann Schlange stehen, wenn man frisch vergeben ist, auch nicht. Wahrscheinlich sagt die Antwort auf die Frage, was für uns persönlich Erfolg bedeutet, vor allem etwas über uns selbst aus, und nicht auf die Arbeit, die wir machen…

      • Kriti-Sir Kriti-Sir

        Hey Julia, für mich ist es bei Musik genauso.
        Deswegen möchte ich mich auch nie damit auseinandersetzten, wie genau Musik “funktioniert”. Da möchte ich mir die Magie einfach bewahren.
        Bei Musik merkt man irgendwie auch nach 5 Sekunden, ob sie einen anspricht oder nicht.

        • Julia Julia

          Genau, die Magie entzaubern ist eine schlechte Idee! Abgesehen davon, das Essenzielle im Leben können wir eh nicht entschlüsseln. Warum lieben wir? Keine Ahnung. Warum regen uns bestimmte Personen auf, wenn sie den Mund aufmachen? Keine Ahnung! Warum will ich noch ein Glas Wein? Keine Ahnung 😎

          • Kriti-Sir Kriti-Sir

            Bei Filmen beschäftige ich mich gerne mit der Theorie und den Entstehungsprozess dahinter.

            Bei Musik will ich dann einfach fühlen und mir keine Gedanjen darüber machen, warun es wirktcwie es wirkt.

  4. Julia Julia

    Noch eine doofe Frage, ich würde ja gerne eine Bewertung für den Podcast abgeben, aber ich habe kein I-Phone, und demzufolge auch kein I-Tunes… Ich höre euch immer über den Google Podcatcher und dort finde ich nirgends eine Möglichkeit zum bewerten… könnt ihr einen Link posten, wo ich bewerten kann?

  5. Dieter Röbig Dieter Röbig

    Ich habe bis jetzt Schlager immer ohne Schnaps vertragen. Mamor lässt sich auch ohne Grölen und ertragen, zumindest bei mir.

    • Hast du Lust zu erzählen? Welche Lieder magst du besonders? Bei welchen Gelegenheiten hörst und singst du sie? Ich frage das wirklich aus Interesse.

  6. Elke Elke

    Es war krass zu hören, wie wenig die Wertschätzung und Unterstützung, die man Euch als einzelner treuer Hossa-Hörer, Hossa-Spender, Goficast-Hörer, Gofi-Bücher-Käufer und -leser und Lesungen-Besucher, Rhadio-Konzert-Besucher, Teil der Gofi-Community bei Steady, Crowd-Funder, Geburtstagskarten-Schreiber, also als echter Groupie, so zukommen lässt, am Ende zählt. Hat mich irgendwie getroffen, aber es war gut, dass Ihr das so offen gesagt habt. Vielleicht kann man das auf den Häwelmann-Effekt zurückführen…

    • Hallo Elke. Gut, dass du es so offen ansprichst. Aber da fühle ich mich doch missverstanden. (Ich glaube, du nimmst vor allem auf mich Bezug.) Zunächst mal bin ich konkret von eurer Unterstützung in allen möglichen Sparten, ob das nun die Musik oder Hossa Talk oder was auch immer ist, immer wieder geflasht. Wenn ich mich in der Vergangenheit dafür bedankt habe, war das immer total aufrichtig und von Herzen. Dasselbe gilt selbstverständlich für Jay.
      In diesem Talk versuchen wir ja herauszufinden, was Erfolg eigentlich ist und ob das, was wir uns als Erfolg vorstellen, wirklich Erfolg ist. Und es kommt vor, dass ich enttäuscht bin, wenn sich der Erfolg, den ich mir erhofft habe, nicht einstellt. Ob ich zurecht enttäuscht bin, ob das, was ich mir gewünscht habe, wirklich erstrebenswerter Erfolg ist, ist eine andere Frage. Oft sicher nicht. Fans wie ihr beweisen das. Aber wenn man sich die Sache auf einer anderen Ebene betrachtet, ist das nicht ganz so leicht. Nimm mal die Musik als Beispiel: Eine Band zusammentrommeln, mehre Probetermine anberaumen, Hunderte Kilometer fahren, mehrere Stunden aufbauen, ein Konzert vor einem recht leeren Raum spielen, mehrere Stunden abbauen, auf einem Sofa schlafen, am nächsten Tag zurück und am Ende jedem 50 Euro auszahlen, wenn es sehr gut gelaufen ist, das ist, was den Aufwand angeht, kein Erfolg in wirtschaftlicher Hinsicht. Du kannst einwenden, dass sich aber immerhin einige sehr gefreut haben, dass es ein toller Abend gewesen ist und deshalb ein Erfolg. Und das stimmt. Aber dann schaust du dir die Tatsachem an, dass die Musiker auf diesem Niveau nicht ihren Unterhalt finanzieren können, und kommst zu dem Schluss, dass es so nicht geht. Es ist nicht erfolgreich genug. Es lässt sich nicht aufrechterhalten, weil es verantwortungslos zB gegenüber der Familie ist oder gegenüber anderen Projekten, die in dieser Hinsicht erfolgreicher sind.
      All die Liebe, die Zuneigung von Leuten wie euch, ist ein riesengroßer Erfolg. Das haben wir aber auch gesagt und überhaupt nicht in Frage gestellt. Enttäuschend ist es, wenn du als Künstler:in merkst, dass das, was du machst, auf anderer Ebene nicht erfolgreich genug ist, um weiterbestehen zu können. Weil man es sich schlicht nicht leisten kann. Und das ist dann ja kein Urteil über das ganze Leben oder alles, was man tut, sondern vielleicht über eine Sache, die man von Herzen gerne tut, die man liebend gerne fortsetzen würde, aber es eben nicht kann. Das ist enttäuschend. Und das wollten wir in dem Talk ehrlich aussprechen.
      Ich hoffe, das klärt ein bisschen die Sache auf.

      • Elke Elke

        Hallo Gofi, danke für Deine Antwort. Natürlich verstehe ich, dass es frustrierend ist, wenn man für den Aufwand, den man betreibt, nicht den erwünschten und erhofften Erfolg erntet. Allerdings ist das bei einer regulären Arbeit oft auch nicht der Fall, aber Du hast recht: wenigstens bekommt man ein Gehalt dafür, wobei manche auch nicht so entlohnt werden, wie es angemessen wäre. Ich habe auch überlegt, warum mich diese Aussagen so gegrämt haben und vielleicht liegt es daran, dass sich mal ein anderer Hossa-Hörer über meinen Groupismus lustig gemacht hat, ich mich voll geschämt habe und mich dann damit getröstet habe, dass Ihr Euch (hoffentlich) drüber freut…

        • Liebe Elke, wir sind über eure Hilfe manchmal geradezu beschämt, so geil finden wir das. Wir wissen eigentlich nicht, womit wir das verdient haben. Andrerseits ist uns klar, dass es uns nicht geben würde, wenn nicht Menschen wie ihr das ermöglichen würdet. Deshalb hier noch mal ganz offen und ehrlich: Danke an dich und Andi! Wir schätzen euch und eure Unterstützung wirklich sehr!

  7. Andi Andi

    Das mit dem ERfolg in der Kunst ist grad ‘n Thema bei mir. Von meinen vier vier Büchern habe ich erst eines großflächig rausgeschickt, es kam auch drei Mal in die Endauswahl, aber nach Fertigstellung war das Thema des Familienromans (Rechtspopulismus) nicht mehr der heiße Scheiß und daher kein Markt mehr da. Ich kenne eine sehr begabte MAlerin, die ich schon immer mal fragen wollte, ob sie immer genau das malt, das sie will. Ist wohl auch Begabungssache, viele Formulierungen kommen mir beim schreiben und ich darf die Szene und das Buch vorher nicht zu detailliert plannen. Den Flow zulassen. Habe in einem Gedicht ein neues Buch mal als Berg beschrieben, den ich gleichzeitig erklimme und in dessen Schatten ich mich berge. Eine Monumentalaufgabe, die mir dennoch Kraft gibt, so wie ein Webdesigner Codes bastelt und hunderte von Notizzetteln umschichtet, was jetzt gar nicht meins wäre.

    Ich schreibe jeden Sonntag eine Kurzgeschichte für meine NMeffen und Nicht (8, 6 und 2 Jahre) und liebe es mit meinem Vater über Literatur zu reden, der auch einen Roman schreibt. Genieße Filme in Gruppen als modernes LAgerfeuer (bei Gesellschaftsspielen oder Schnak in Gruppen fühle ich mich schnell unwohl, konzentriere mich stark auf Zweierbeziehungen und telefonieren).

    Ich versuche schon, Anspruch und Massenmarkt zu versöhnen und habe auch eine Botschaft. Dennoch muss mich ein Thema packen und mich widerspiegeln, meinen Weg. Hatte zuletzt einen Roman über den Schöpfungsmythos begonnen in Faust-, Also-Zarathustra- und Stepppenwolfsprache, aber das war nach meinem Verlassen des Christentums irgendwie vorbei. JEtzt also wieder ein popliteratischer Familienroman im Sommer, mit dem ich gerade schwanger gehe, was ich sehr genieße. Hatte das Angebot als Werbetexter zu arbeiten, doch ich will meine ganze Energie etwas wirklich Schönem und Tiefem widmen.

    Natürlich schöpft aus den Myriaden von möglichen Wortkombinationen fast kein Autor das Perfekte aus dem JEnseits und viele machen mit Scheiße Geld. Aber wenn meine Tante bei Helene Fischer entdeckt, dass sie gemacht ist, um Liebe zu geben, dann ist das glaube ich auch spirituell.

    Kunst und Handwerk kann man glaube ich nicht trennen. Ich gehe sehr methodisch vor und habe zu jedem Buch ein begleitendes Seminar auf Youtube geplant, wie es entstand (KReatives Schreiben).

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